Der neueste Trend in Sachen Feuerlöschanlagen in Hochhäusern – Brandschutz News
Die Forderung, nur Sprinkleranlagen für den Hochhausschutz einzusetzen, mag jahrzehntelang aus Ermangelung von Alternativlöschsystemen durchaus berechtigt gewesen sein. Zwischenzeitlich wurden neue Systeme entwickelt, die mit viel weniger Löschmittel mehr Löscheffekte und somit größere Löschwirkungen erzielen. Entsprechend den geringen Löschmittelmengen minimieren sich ebenfalls die Rückhaltungen kontaminierter Löschmittel, die zwischenzeitlich im Interesse des Umweltschutzes einen erheblichen Kostenfaktor bei der Entsorgung und in den Versicherungsbeiträgen bedeuteten.
Auf Grund der wachsenden Bevölkerungszahlen in Ballungsgebieten wächst auch die Bebauung in Citylagen. Die immer höher werdenden Gebäude sind für die örtlichen Stadtfeuerwehren sehr große Herausforderungen. Diesem Umstand geschuldet, wurde eine Hochhausrichtlinie erarbeitet, die in Gebäuden über 60 m Höhe eine Sprinkleranlage fordert. Sprinkleranlagen haben sich seit über 100 Jahren bewährt und haben nach wie vor ihre Daseinsberechtigung.
Ihr Aufbau und ihre Wirkungsweise wird in der einschlägigen technischen DIN EN 12845, der amerikanischen NFPA 13 Norm, aber auch in der Versicherungsrelevanten VdS-Richtlinie CEA 4001 beschrieben. Die MHochhR (Musterhochhausrichtlinie vom Mai 1981) besagt:
- „Selbsttätige Feuerlöschanlagen mit gleichmäßig über die Fläche verteilten Sprühdüsen wie Sprinkleranlagen müssen vorhanden sein, wenn das Maß nach § 2 Abs. 4 MBO mehr als 60 m beträgt.“
Durch die neue Musterhochhausrichtlinie vom April 2008 ist es nun möglich, weitere Feuerlöschverfahren für den Hochhausschutz einzusetzen:
- „6.3.1.1 Hochhäuser müssen automatische Feuerlöschanlagen haben, die die Brandausbreitung in den Geschossen und den Brandüberschlag von Geschoss zu Geschoss ausreichend lang verhindern.“
Die nicht mehr zwingend benannte Anwendung von konventionellen Sprinkleranlagen ermöglicht es, dass nun zusätzlich folgende weitere fünf Hochhaus-Löschverfahren zur Anwendung kommen können:
- Wassernebelhochdruck-Sprinklerlöschanlagen
- Wassernebelniederdruck-Sprinklerlöschanlagen
- Kompaktschaum-Löschanlagen
- Heißschaum-Löschanlagen
Wassernebelhoch- und -niederdruck-Sprinkleranlagen verbrauchen im Vergleich zu konventionellen Sprinkleranlagen nur ca. 10 bis 15 % Löschwasser. Demzufolge fällt auch viel weniger kontaminiertes Wasser nach dem Löschvorgang an. Zum bisherigen Kühleffekt kommt der Stickeffekt.
Die feinversprühten Tropfen gehen mit der Hitze des Feuers eine Symbiose ein (Bilder 1–5). Es entsteht ein den Sauerstoff verdrängender Dampf, wodurch es zur umgehenden Flammenlöschung und Rauchpartikelbindung kommt. Zurzeit wird beispielsweise im Bettenhochhaus der Berliner Charité eine Wasserhochdruck-Sprinkleranlage realisiert, die von unserem Büro geplant wurde.
Auch das Kompaktschaum-Löschverfahren ist auf Grund seiner spezifischen Eigenschaften für die Löschung in besonderen Höhen geeignet. Hier wird in der Löschmittelzentrale im Erdgeschoss ein fertiger Schaum (0,5 mm Schaumblasen) erzeugt, welchen man ca. 400 m in die Höhe oder 1.000 m horizontal drücken kann, ohne dass dessen Schaumkonsistenz zerstört wird. Über offene Etagensektionsventile wird der Schaum in den Räumen gleichmäßig auf den Brandherd aufgetragen (Bild 6). Sein sehr hoher Oberflächenkühleffekt führt zur sofortigen Löschung. Zurzeit werden diese Systeme u. a. in Tunneln, Recyclinghallen, auf Hubschrauber-Landeplätzen und auf Bohrinseln angewendet.
Auch wenn die beiden vorher beschriebenen Löschverfahren durch ihre besonderen Eigenschaften in Hochhäusern sicher anwendbar sind, birgt das vor ca. 20 Jahren entwickelte Heißschaum-Feuerlöschverfahren weitere Vorteile, die dieses Löschverfahren nahezu prädestinieren, zukünftig in Hochhäusern eingesetzt zu werden. Bei einem Raumbrand werden alle in der Etage befindlichen Personen durch die elektroakustische Anlage (Ela, Lautsprecheranlage) gewarnt, die Etage innerhalb von 5 Minuten zu verlassen. Anschließend erfolgt ohne Druckaufbau ein 1:1-Austausch der rauchhaltigen Luft durch rauchhaltigem Schaum. Dabei werden aus 1 l Wasser mit 2 % Schaumkonzentrat ca. 650 l Heißschaum erzeugt , und dies bei Temperaturen von 0 °C bis 1.200 °C. Es kommt zur sofortigen großvolumigen Löschung in den betreffenden Räumen, so dass der Brand nicht auf weitere Etagen übertragen werden kann.
Fazit
Welches Löschverfahren jeweils zur Anwendung kommt, bestimmen die Spezifik des Bauwerkes und die Höhe der Brandlast. Kein Löschverfahren ist ein Allrounder.
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