Diese Seite wird fortlaufend aktualisiert, da sich die regulatorische Lage zu PFAS und fluorierten Löschmitteln in Europa weiterentwickelt.
Die aktuelle Rechtslage zu Novec 1230 in Europa hat sich deutlich verändert. Betreiber von Serverräumen, Leitwarten, Archiven oder technischen Betriebsräumen stellen deshalb vor allem drei Fragen: Ist Novec 1230 noch zulässig? Was bedeutet das für bestehende Anlagen? Und welche Alternativen kommen in Betracht?
Diese Seite gibt einen kompakten Überblick zur aktuellen Situation. Außerdem zeigt sie, welche technischen und planerischen Schritte jetzt sinnvoll sein können.
- Für neue fluorierte Feuerlöschsysteme ist die regulatorische Lage in Europa deutlich restriktiver geworden.
- Bestehende Novec-1230-Anlagen sind nicht automatisch sofort außer Betrieb zu nehmen.
- Betreiber sollten jetzt prüfen, wie zukunftsfähig ihre Anlage technisch, regulatorisch und versorgungsseitig ist.
- Bei Neuplanung, Umbau oder Modernisierung sollten Planer und Betreiber Alternativen frühzeitig bewerten.
Was ist Novec 1230?
Novec 1230 ist ein fluoriertes Löschmittel auf Basis von FK-5-1-12 (Perfluoro(2-methyl-3-pentanone)). Betreiber setzten es vor allem dort ein, wo Brände schnell gelöscht werden mussten, ohne klassische Löschwasserschäden zu verursachen.
Hersteller vermarkteten Novec 1230 vor allem mit Blick auf sein Ozonabbaupotenzial von 0, seinen niedrigen GWP-Wert und seine kurze atmosphärische Lebensdauer. Zudem gibt 3M für den Stoff eine sehr kurze atmosphärische Lebensdauer an.
Zu den typischen Einsatzbereichen gehörten unter anderem:
- Server- und Rechnerräume
- EDV- und Telekommunikationsbereiche
- Leitwarten und Kontrollräume
- Archive und Lager mit empfindlichen Gütern
- Medizinische Einrichtungen
- Mittelspannungsräume
Was hat sich regulatorisch geändert?
Die aktuelle Entwicklung bestimmen derzeit vor allem drei Faktoren:
1. EU-F-Gas-Verordnung
Die Verordnung (EU) 2024/573 legt für Feuerschutzausrüstung fest, dass neue Systeme, die fluorierte Treibhausgase aus Annex I enthalten oder auf ihnen beruhen, seit dem 1. Januar 2025 grundsätzlich nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Eine Ausnahme gilt jedoch, wenn das System am jeweiligen Einsatzort zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen erforderlich ist.
2. PFAS-Regulierung unter REACH
Parallel dazu läuft auf EU-Ebene das umfassende PFAS-Beschränkungsverfahren unter REACH weiter. ECHA hat den aktualisierten PFAS-Beschränkungsvorschlag im August 2025 veröffentlicht. Außerdem hat die Behörde angekündigt, die wissenschaftliche Bewertung des Gesamtvorschlags bis Ende 2026 abschließen zu wollen.
Die regulatorische Entwicklung ist also noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig zeigt der Trend bereits klar in eine restriktivere Richtung.
3. Marktverfügbarkeit
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: 3M hat seinen Ausstieg aus der PFAS-Herstellung Ende 2025 abgeschlossen. Für Betreiber bedeutet das zwar nicht automatisch ein sofortiges Nutzungsverbot bestehender Anlagen. Allerdings hat sich die Situation bei Versorgung, Ersatzstoffen, Servicekonzepten und langfristiger Planung deutlich verändert.
Die Situation sollte nicht verkürzt mit „Novec 1230 ist komplett verboten“ beschrieben werden. Fachlich sauberer ist die Einordnung, dass die regulatorische Lage für neue fluorierte Systeme deutlich strenger geworden ist und die langfristige Perspektive zugleich unsicherer wirkt.
Was bedeutet das für bestehende Novec-1230-Anlagen?
Für viele Betreiber ist das die wichtigste Frage.
Nach heutigem Stand lässt sich die Situation nicht verkürzt mit „alle bestehenden Novec-1230-Anlagen sind verboten“ beschreiben. Dafür ist die rechtliche und praktische Lage zu differenziert.
Für Betreiber sind vor allem folgende Punkte wichtig:
- Bestandsanlagen sind nicht automatisch sofort außer Betrieb zu nehmen.
- Für bestehende, bereits rechtmäßig in Verkehr gebrachte Systeme bleiben Reparatur- und Serviceteile grundsätzlich weiterhin möglich, sofern sich dadurch weder die Kapazität noch die Menge des enthaltenen fluorierten Gases erhöht.
- Für Feuerlöschanlagen gelten weiterhin Inspektions- und Prüfvorgaben. Die F-Gas-Verordnung verweist dabei ausdrücklich auf bestehende Inspektionsregime nach ISO 14520 oder EN 15004.
In der Praxis bedeutet das: Wer bereits eine Novec-1230-Anlage betreibt, sollte nicht in Panik verfallen. Betreiber sollten jetzt jedoch aktiv prüfen, wie zukunftsfähig die Anlage im konkreten Anwendungsfall noch ist — technisch, regulatorisch und versorgungsseitig.
Genau diese Bewertung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von F-Gas-Regelung, PFAS-Debatte und veränderter Marktverfügbarkeit.
Warum Betreiber jetzt handeln sollten
Auch wenn nicht jede Bestandsanlage sofort ersetzt werden muss, ist ein geordneter Prüfprozess sinnvoll.
Besonders relevant ist das bei:
- sicherheitskritischen Räumen mit hoher Verfügbarkeitsanforderung
- Anlagen mit künftig unsicherer Löschmittelversorgung
- Modernisierungen, Erweiterungen oder Umbauten
- Standorten mit erhöhten Compliance-Anforderungen
- Ausschreibungen, bei denen langfristige Investitionssicherheit gefragt ist
Gerade bei Neuplanungen oder größeren Umbauten sollte früh geprüft werden, welches Löschkonzept langfristig genehmigungs-, service- und investitionssicher ist.
Diese Einschätzung liegt nahe, weil neue fluorierte Systeme regulatorisch enger gefasst sind und gleichzeitig die Marktverfügbarkeit klassischer PFAS-basierter Lösungen sinkt.
Welche Alternativen kommen in Betracht?
Welche Alternative geeignet ist, hängt immer vom Schutzobjekt ab. Entscheidend sind unter anderem das Raumvolumen, die Nutzung, die Personenbelegung, bauliche Randbedingungen und die gewünschte Wiederverfügbarkeit.
Ein pauschaler Ersatz für jedes Objekt existiert nicht. Je nach Anwendungsfall kommen unter anderem folgende Systeme in Betracht:
- Wassernebel-Systeme
- Hybrid-Löschsysteme
- Inertgassysteme
- objektspezifische Sonderlöschverfahren
Für Anwendungen mit empfindlicher Technik, geringer Wasservorhaltung oder schwierigen baulichen Randbedingungen kann eine alternative Lösung besonders sinnvoll sein. Das gilt vor allem dann, wenn Rückstände, Folgeschäden und baulicher Aufwand möglichst gering bleiben sollen.
Unsere technische Einordnung: NHO als mögliche Alternative
Wenn Betreiber heute nach einer Alternative zu fluorierten Löschmitteln wie Novec 1230 suchen, stellt sich häufig die Frage, welches Löschverfahren technisch sinnvoll, baulich beherrschbar und langfristig zukunftsfähig ist.
Je nach Schutzobjekt kann ein Hybrid Löschsystem wie NHO hier eine interessante Lösung sein. Das Verfahren kombiniert Stickstoff und Feinstwassernebel in einem Zweistoffsystem und verfolgt damit einen anderen technischen Ansatz als klassische Gaslöschanlagen.
- sehr geringe Wassermenge beim Löschen und in der Vorhaltung
- kein Bedarf an gasdichten Wänden wie bei klassischen Gaslöschkonzepten
- keine Druckentlastung erforderlich
- je nach Anwendung geringe Kollateralschäden und geringe Löschwassermengen
Gerade bei empfindlicher Technik, begrenzter Wasservorhaltung oder schwierigen baulichen Randbedingungen kann das ein relevanter Vorteil sein. Gleichzeitig gilt auch hier: Nicht das Verfahren allein entscheidet, sondern das Zusammenspiel aus Brandrisiko, Raumgeometrie, Nutzung, Schutzziel sowie behördlichen und versicherungstechnischen Anforderungen.
Je nach Schutzobjekt kann ein Hybrid Löschsystem wie NHO eine interessante Alternative sein, wenn geringe Wassermengen, reduzierte Folgeschäden und günstige bauliche Randbedingungen im Vordergrund stehen. Ob das System im konkreten Objekt geeignet ist, muss jedoch immer objektspezifisch bewertet werden.
Empfohlene Vorgehensweise für Betreiber
Wer heute eine Novec-1230-Anlage betreibt oder eine neue Schutzlösung plant, sollte strukturiert vorgehen. In der Regel sind dabei fünf Schritte sinnvoll:
FAQ zu Novec 1230
Ist Novec 1230 in der EU komplett verboten?
Muss ich meine bestehende Anlage jetzt austauschen?
Was bedeutet das für Wartung, Reparatur und Service?
Was ist bei Umbau, Erweiterung oder Neuanlage zu beachten?
Welche Alternative ist die richtige?
Ihre Novec-1230-Anlage fachlich einordnen lassen
Sie möchten wissen, ob Ihre bestehende Novec-1230-Anlage weiter sinnvoll betrieben werden kann oder welche Alternative für Ihr Objekt technisch geeignet ist?
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